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Barilla – Billa – Basta – Basati — Textstrom im Dezember 2018

Die Brunnenpassage ist auch im Dezember gut gefüllt und es fühlt sich auch gut an, aufzutreten. Clara Felis und Markus Köhle moderieren und als featured poet eröffnet Kit’s’Trohpy mit – my long distance life, my longe distance love – die Bühne.

Das Publikum ist also von Anfang an auf Mehrsprachigkeit eingestimmt und so soll es auch weiter gehen. Denn mit Nummer 1 betritt ein Gast aus Italien die Bühne: Sergio Garau ist einer der Szene-Urväter Italiens. Er ist ein Performance-Derwisch, lässt das Publikum „Kauf mich!“ rufen und fragt: Bist du krank genug für mich? Das Publikum ist schon heiß und heiß geht es auch weiter. Mit dem ersten Auftritt von Fadi, der von seiner Flucht von vor drei Jahren und seinem jetzigen Leben in Wien spricht. Bernadette als Nächste führt die Naturwissenschafts-Fachsprache ein und vor, das ergibt eine ambivalente Liebeserklärung und „Kein Leben ohne phi“. Goscherl berichtet von ihren Erfahrungen aus der Arbeitswelt im Bereich Catering, es werden Kochgerüche serviert: „Ich weiß zwar weniger wie sie, dafür hab ich mehr Poesie!“ Bam! Theresa Hahl thematisierte was trennt, was Distanz ist und begibt sich an den Wendekreis der Wirklichkeit – schön. Nora widmet ihren Text den anwesenden Eltern „mam & paps – ja, ich hab’s“ mit holländischen und dänischen Einsprengseln. Katharina Wenty sprach vom Leben und vom Tod, von Luftsprüngen und Hüftschwüngen, von Bärlauch und von einem Pastellfarbenparadies. Ulli Hammer hat Geburtstag und feiert das mit einer „Eines-Tages-Baby“-Variation á la Gerhard Rühm. Memo macht den Alltagsrassismus zum Inhalt ihres Textes und gewinnt damit die Vorrunde. Denise lässt sich Zeit, sie zieht sich ihr Leben über die Beine und nimmt es selbst in die Hand. Eine grandiose Vorrunde mit viermal 14 Punkten (Sergio, Theresa, Katharina und Fadi) und 16 Punkte für Memo. Das Lost entscheidet, wer ins Finale kommt.
Kit’s’Trophy hat es als featured geschafft, Theresa und Sergio mit Losglück. Theresa lässt das Publikum die Schlüsselbünde zücken, Sergio fegt erneut über die Bühne und Memo fragt: Woher kommst du?

Theresa Hahl gewinnt, alle werden reich beschenkt, danach wird im C.I. Internationaler Slamily-Talk geführt und alle sind happy. Auf ein textstromstarkes 2019.

textstrom Saison Kick Off September 2018

Endlich wieder Textstrom. Endlich wieder Poetry Slam in der Brunnenpassage. Der Sommer war schön aber auch ganz schön lang. Textstrom geht in die 15. Saison, acht Poetinnen und Poeten sowie Featured Poet Kolja Fach sorgen für einen gelungenen Auftakt und Mieze Medusa und Markus Köhle moderieren.

textstrom September 2018

Kolja Fach macht Deutsch-Rap á la Haftbefehl zum Thema und unterzieht die Lyriks einer gestrengen Analyse. Das lockert das Publikum auf und es kann los gehen.
Nadja entscheidet sich kurzfristig auf die Bühne zu gehen und nicht Jury zu sein. Erster Auftritt, Startnummer eins. Wo geht die Reise hin?, fragt sie sich und beantwortet dies vorerst mit: Wir kämpfen uns vom Boden nach oben!
Katharina Wenty widmet sich Frauenschicksalen in Favoriten, Indien und dem Tschad und wird sich so einen der Finalplätze sichern.
Richard Lee berichtet von Nichmischbarem und von motions not trackable. Der Aufruf zuzuhören und durchzuatmen kam an und brachte ihn ebenfalls ins Finale.
Lena hatte von einem Du & Ich zu erzählen, das kein Wir mehr war, womit es nichts mehr zu verlieren gab. Reinhard wiederum vertextete einen Hofmobiliendepot- und einen Wien-Besuch, da fuhren 93 Kutschen auf und wurde sich „angebiedermeiert“.
Thomas Mayer Phantasönlich hatte ein Geheimnis zu hüten und er tat dies ausdauernd und die Zeit sprengend.
Pippilotta rief dazu auf, ein bissl aufzustehen, denn es „warat wegen der Freiheit“, das ist einen Finalplatz wert.
Luxus schließlich macht den Bart zum Inhalt seiner fünf Minuten im Rampenlicht und verrät jede Menge Situationen, in denen es sich lohnt, sich durch den Bart zu fahren. Das Publikum fährt drauf ab und hievt Luxus mit 30 Punkten (und der ersten Welle des Abends) mit Höchstwertung ins Finale.

Nach der Pause ist Kolja Fach wieder an der Reihe, er geht es sportlich an und verbiegt sich beim MacFit in Dresden, um uns davon zu erzählen.
Pippilotta hatte was zu sagen und zwar, dass das was Mama sagt, was Papa sagt und was andere sagen wuarscht ist. Richard Lee zweiteilte seinen Text über Sublimierung in zwei Teile und nahm in einem davon Alzheimer-Patient-Perspektive ein. Katharina Wenty präsentierte eine Ikarus-Version: „Flieg nicht zu hoch, flieg nicht zu tief, flieg geradeaus, nicht schief“ und bekam dann doch zu viel Sonne ab. Luxus zu guter Letzt machte Depressionen, Suizid und Körperfunktionen zum Thema und wir wissen nun alle, dass unser Herz täglich circa 86.000 Mal schlägt.

Die Jury wurde im Finale entlastet, das gesamte Publikum durfte entscheiden, wer den September-Textstrom für sich entscheidet. Und das Publikum machte es uns leicht. Pippilotta ist die Siegerin des Abends!

Bericht von Markus Köhle!

textstrom Poetry Slam

Zum 14. Geburtstag gab’s Schneesturm und Liebe: textstrom im März 2018

Der Samstag, der 17. März 2018 war ein besonderer Tag. Textstrom feierte sein 14jähriges Bestehen, alle freuten sich darauf und auf den Frühling, nur der Winter hatte noch Sturm auf Lager. Egal. Gingen wir halt bei Schneefall in die Brunnenpassage. Dort ist ohnehin alles weiß und warm.

Dass sich dann tatsächlich 14 Poetinnen und Poeten anmeldeten, war für Mieze Medusa und Markus Köhle Grund genug, das Zeichen an- und alle dranzunehmen. Einen besonderen Featured Artist hatten wir uns auch geladen: Muhammet Ali Bas (Sprachkünstler aus Vorarlberger mit türkischen Eltern, in Wien lebend).
Er sorgte dafür, dass das zahlreich anwesende Publikum auch zu einem zuhörenden wurde und warf eine ornamentale Textgeburt in den Raum, die immer wiederkehrende Debatten und ein spirituelles Dilemma thematisierte. Er hat kein Problem mit dem Kanaken auf seiner Haut und seiner Brust. Das Publikum auch nicht. Es ist in Stimmung. Der Raum schreit nach mehr und bekommt Sunny.

Sunny legt ein grandioses Debüt hin. Sie spricht über das Pendeln zwischen zwei Welten, über das sich nirgends zugehörig fühlen. Sie fragt, wer oder was normal ist und die Frage überträgt sich in alle Reihen.
Simon Tomaz reinigt den Ort energetisch, bevor er diverse zukünftig mögliche Urteile verliest und sich damit mindestens einen Plastikschalensitz am Flughafen verdient.
Fatima reimt sich auf englisch und spanisch durch das Schicksal von Prinzessin Rosea und einem verlorenen, australischen Fred, Amelia ist auf den Hund gekommen und alles ändert sich vom Olé zum Hallo!
Janea Hansen nützt den von den Eltern geschenkten Massagegutschein, um auf der Liege liegend über aktuelle österreichische Missstände zu sinnieren und dann mit Furor darüber herzuziehen. Da werden Basti und Kickl gewatscht und alle anderen Würschteln in der Regierung auch ordentlich durchgewalkt. Das Publikum ist zu recht entzückt.
Katharina Wenty macht die Schizophrenie ihrer Mutter zum Thema, von Pausen vom Leben brauchen, vom Beten für den Weltfrieden und von Augen, die wie Sterne funkeln ist da die Rede und das Publikum legt noch eins drauf. Zweite Welle des Abends.
Adele hat zu ihrem ersten Poetry Slam Auftritt ihre gesamte Schulklasse mitgebracht, das ist gut für die Stimmung. Ihr geht es um das Lernen und Wissensvermittlung, um finnische Gammelmormos, französische Verben und lateinische Verzweiflung.
Lea hat in zwei Texten über Drogen und Abhängigkeit zu berichten, unterstreicht, dass wir nur ein Leben haben, nicht neun und spricht mit dem Rauchen-Text auch ein mehr als aktuelles Thema an.
Osama verschreibt sich der Fortbewegung. Erst öffentlich dann im eigenen Automobil. Die U-Bahn – das Tier, das dich durch den Moloch Stadt manövriert und dich auf den Bim-Pöbel herabblicken lässt. Bewegend!
Patricia Christine Kleinwächter slammte über Shoppingnöte und Einkaufsfreuden, über ihre Anprobierphobie und lästige Kunden an der Kassa, quasi die Leiden des Einkaufens.
Sophia (ebenfalls aus der anwesenden Schulklasse – herzlichen Dank fürs Kommen, kommt bitte wieder:) gab sich gefühlsverwirrt und schilderte die körperinterne Kommunikation bzw. Fehlschaltungen derselben im Falle vom Tappen in Gefühlsfallen.

textstrom Poetry Slam

Angesichts der Fülle von Auftretenden war eine Pause an dieser Stelle mehr als angebracht. Das Brunnenpassagen-Team sorgte, dass alle gut getränkt wurden. Lob an die Poetinnen und Poeten wurde ausgeschüttet. Es wurden sogar Bücher gekauft und zwanzig Minuten später waren alle begierig, die restlichen Jubiläums-Slammer_innen zu hören.

Muhammet Ali Bas tat erneut seinen Job und beschwor rhythmisch und eingänglich die Menge, die sich in seinem Groove gerne badete und somit gerüstet war für mehr.

Tom Candussi wünschte sich eine andere Welt, eine Welt, in der andere Maßstäbe zählten, in der vieles verkehrt, aber richtiger liefe. Eine Welt voll liebevoller Kleinigkeiten mit mehr Herz. Das Publikum war seiner Meinung.
Benji musste uns leider in der Pause verlassen, da seine linke Linse sprang, zwar nicht davon aber entzwei und er somit einen gespaltenen Blick auf die Welt hatte, der sich am besten zuhaus, in den eigenen vier Wänden ertragen und auch wieder beheben ließ (komm bitte ganz wieder:).
Anna wetterte dann über die Generation große Jeansjacke und die sorgrsam und gut gebaute Blase derselben. Das war analytisch, unerbittlich, stark und reichte nur knapp (aufgrund der Streichwertungen) nicht fürs Final (next time!).
378 schließlich war in göttlicher Mission unter uns und präsentierte sich als die krass Auserwählte, allein, das Jüngste Gericht kam nicht, nur die Pubertät. Ein Text der weh und gut tut. Danke.

Im Finaletextstrom Poetry Slam erzählte Tom von einem Dorf, in dem sich erst das Y und dann auch noch weitere Buchstaben davon machen. Janea brannte und bat: Bitte achten Sie auf die Existenzen zwischen Erfolg und Niederlage. Und Katharina schließlich machte das große Fass Menschenhandel und Prostitution mitten unter uns und das im 21. Jahrhundert auf. Das Publikum schrie und klatschte einen Doppelsieg für Janea und Katharina herbei. Bücher, Schnäpse und Gratulationen wurden verteilt, die vorherrschende Liebe machte den draußen wehenden Wind vergessen und alle gingen gut gewärmt nach Hause.
Ein schöner Jubiläums-Textstrom-Poetry-Slam. Mieze Medusa und Markus Köhle sagen DANKE (und kommt bitte alle wieder)!