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textstrom poetry slam Wien

textstrom, 9. Oktober 2021 – Es geht wieder rund!

Es geht wieder rund. Studis sind wieder in der Stadt und es darf auch endlich wieder was gemacht werden. Am Samstag, den 9. Oktober 2021 sind wir vom Textstrom-Team extrem positiv überrascht, wie viele Menschen in die Brunnenpassage strömen. Techniker Gerry (Vielen Dank!) kommt mit dem Nachbestuhlen kaum nach. Das Awareness-Team am Eintritt kontrolliert korrekt und zügig. Die Anmeldungen waren schon im Vorfeld zahlreich. Das Publikum ist gemischt und bunt. Alles, wie wir es lieben. Und die Texte erst! Sprachen- und Formenvielfalt. Neulinge, alte Hasen, ein Team, beste Poetry-Slam-Vielfalt. Vielen Dank an alle. Ihr wart großartig. Aber mal der Reihe nach.

Kurz vor Beginn hat sich Kurz verabschiedet. Der Abend war also schon mal gut. Katharina Wenty und Markus Köhle moderierten erstmals gemeinsam und fühlten sich sichtlich wohl miteinander. Die Stimmung war von Anfang an gut und wurde durch Featured Artist Donia gleich nochmal besser. Beim Ö-Slam in Linz gesehen, gleich geladen, denn Mehrsprachigkeit hat sie drauf, wie kaum eine andere. „Führt ein Leben in Frieden zu Kälte im Herzen?“, fragt sie und erhitzt damit jedenfalls die Gefühlstemperatur im Raum.

Claudia widmete ihren Dialekttext ihrem verstorbenen Vater, der jetzt im Himmel Karten spielt und für sie 35 Jahre lang ein Held ohne Umhang war. Stichwort: Bierli.

Das Slam-Team Katharina Püschel und Simon Bauer hatte einiges zum Thema Anfangen und Aufhören zu sagen, es ging aber auch um Ängste und um tanzen und kichern und dazwischen, dazwischen liegt bekanntlich das Jetzt.

Ann Air entführte uns in ihr Elternhaus in Südfrankreich, sie erzählt von ihrem Vater, der ein guter Lehrer und Sportler war und auch gerne sang (alles im 4/4-Takt), dass er überdies die 43-O-Aussprech-Arten im Französischen beherrschte, war ein interessantes Spezialwissendetail.

Nicole Kadlec stellte unmissverständlich klar: The world is fuckt up! Sie thematisierte den Spalt in der Gesellschaft und dass sie sich vor möglichen Fragen einer zukünftigen Tochter jetzt schon fürchtet: Mammi tell me about…

Und vom Englischen ging es direkt ins Italienische mit Sergio Garau. In seiner Flucht-Odyssee ließ er nicht nur Deutsch und Italienisch verschmelzen sondern auch griechische Mythologie und das Ganze wie immer bestechend dargeboten.

Alex hat einen Beziehungs-Analyse-Text loszuwerden, der sowohl Kuss-Hymne als auch Zärtlichkeits-Ode ist. Zwischen uns lautete der Titel und die schöne Kernaussage: So weit entfernt ist nur, was nah war.

Mike Hornyik präsentiert (ob der politischen Ereignisse) fröhlich ein Horrorgedicht. Er träumt von Kickl, bietet ihm aber Paroli und wie! Außerdem wird er im Laufe des Abends mehr als sein hundertstes Buch verkauft haben.
Tatjana berichtete von ihren Erfahrungen auf Singleplattformen und kommt zum Schluss, dass Kennenlernen offenbar nicht mehr in Mode ist, denn vom Geplauder zum Dick-Pic ist es nur ein sehr kleiner Schritt.

Laura Grevel schließlich beschwört den Stoneageman, die Steinzeitmänner und ruft dazu auf Grenzen zu überwinden: Go through, geh durch! Mach weiter so!

Ins Finale schaffen es Ann Air, Sergio Garau und Mike Hornyik. Donia hat nochmal was multilingual klarzustellen, nämlich: Ich bin mehr als die Frage woher ich bin!

Sergio Garau packt diesmal sogar Sardisch aus und wettert über einen Truppenübungsplatz auf seiner Heimatinsel: ein düsteres, starkes Stimmungsbild auf sardisch und in eigener Übersetzung.

Mike Hornyik weiß, was sich alles nicht ausgeht und was alles nicht sein muss, zum Beispiel Tequila mit Ketchup.

Und Ann Air zitiert uns alle zum Diktat. Stracciatellastanitzel ist dabei noch eines der leichteren Wörter. Hippopotamus gehört ohnehin öfter gesagt und geschrieben und ja, der Text war der Höhepunkt!

Ann Air gewinnt den Textstrom Poetry Slam im Oktober und eine Stefanie-Sargnagel-Tasche der Büchereien Wien. Mike Hornyik wird als zweiter mit einer „Ich lese, bis ich verwese“-Tasche von der Wien Bestattung belohnt und alle kriegen Applaus, Bücher, DUMs und viel, viel Liebe!

Barilla – Billa – Basta – Basati — Textstrom im Dezember 2018

Die Brunnenpassage ist auch im Dezember gut gefüllt und es fühlt sich auch gut an, aufzutreten. Clara Felis und Markus Köhle moderieren und als featured poet eröffnet Kit’s’Trohpy mit – my long distance life, my longe distance love – die Bühne.

Das Publikum ist also von Anfang an auf Mehrsprachigkeit eingestimmt und so soll es auch weiter gehen. Denn mit Nummer 1 betritt ein Gast aus Italien die Bühne: Sergio Garau ist einer der Szene-Urväter Italiens. Er ist ein Performance-Derwisch, lässt das Publikum „Kauf mich!“ rufen und fragt: Bist du krank genug für mich? Das Publikum ist schon heiß und heiß geht es auch weiter. Mit dem ersten Auftritt von Fadi, der von seiner Flucht von vor drei Jahren und seinem jetzigen Leben in Wien spricht. Bernadette als Nächste führt die Naturwissenschafts-Fachsprache ein und vor, das ergibt eine ambivalente Liebeserklärung und „Kein Leben ohne phi“. Goscherl berichtet von ihren Erfahrungen aus der Arbeitswelt im Bereich Catering, es werden Kochgerüche serviert: „Ich weiß zwar weniger wie sie, dafür hab ich mehr Poesie!“ Bam! Theresa Hahl thematisierte was trennt, was Distanz ist und begibt sich an den Wendekreis der Wirklichkeit – schön. Nora widmet ihren Text den anwesenden Eltern „mam & paps – ja, ich hab’s“ mit holländischen und dänischen Einsprengseln. Katharina Wenty sprach vom Leben und vom Tod, von Luftsprüngen und Hüftschwüngen, von Bärlauch und von einem Pastellfarbenparadies. Ulli Hammer hat Geburtstag und feiert das mit einer „Eines-Tages-Baby“-Variation á la Gerhard Rühm. Memo macht den Alltagsrassismus zum Inhalt ihres Textes und gewinnt damit die Vorrunde. Denise lässt sich Zeit, sie zieht sich ihr Leben über die Beine und nimmt es selbst in die Hand. Eine grandiose Vorrunde mit viermal 14 Punkten (Sergio, Theresa, Katharina und Fadi) und 16 Punkte für Memo. Das Lost entscheidet, wer ins Finale kommt.
Kit’s’Trophy hat es als featured geschafft, Theresa und Sergio mit Losglück. Theresa lässt das Publikum die Schlüsselbünde zücken, Sergio fegt erneut über die Bühne und Memo fragt: Woher kommst du?

Theresa Hahl gewinnt, alle werden reich beschenkt, danach wird im C.I. Internationaler Slamily-Talk geführt und alle sind happy. Auf ein textstromstarkes 2019.